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Mit "Storm", der aktuellen CD, waren Assemblage 23 unlängst auf Deutschland-Tour. Wir unterhielten uns mit Mastermind Tom Shear.

re-flexion: Gratulation, "Storm" war die Nummer eins in den Deutschen Alternativ-Charts. Das ist die zweite Top-Position für Dich nach "Document" letztes Jahr. Bedeuten solche Erfolge, dass Du jetzt eine ganze Menge Geld verdienst und von der Musik gut leben kannst?

Tom Shear: Die Deutschen Alternativ-Charts haben ja nichts zu tun mit den Verkäufen. Das ist ja prinzipiell nur eine Hitparade aus der Gerüchteküche, die darauf basiert, was DJ´s und CD-Läden derzeit als heiß erachten. Deshalb muss man das so sehen: Wenn eine Band wie wir über Metallica charten, dann ändert das nichts an der Tatsache, dass Metallica trotzdem Tonnen mehr an CD´s verkaufen wie Assemblage 23. Seit "Failure" besteht mein Leben schon daraus, Musik zu machen. Aber glaube mir, wenn ich sage: Niemand in dieser Szene verdient eine Menge Geld. Ich kann meine Rechnungen bezahlen, aber das war´s dann auch schon.

re-flexion: Erzähl ein bisschen über Dich. Wie alt bist Du? Wann hast Du gemerkt, dass Du Musik zu Deinem Beruf machen willst? Welche Bands haben dafür den Ausschlag gegeben?

Tom Shear: Ich bin gerade 33 geworden. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in der Lage sein werde, mein Leben so zu gestalten, dass ich das mache, was ich liebe. Und irgendwie glaube ich, dass sich das noch gar nicht bei mir vertieft hat. Es wirkt immer noch unglaublich. Die Bands, die mich dazu gebracht haben, sind wohl die selben wie bei anderen Künstlern: Depeche Mode, Front 242, Nitzer Ebb und so weiter.

re-flexion: Ich habe Dein Konzert in Fulda gesehen. Da kamen kaum 50 Leute. Die haben Deine Musik gemocht, auch getanzt. Aber nach 14 Titeln bist Du von der Bühne gegangen. Nur wegen technischer Probleme, wie Du sagtest? Oder auch aus Frust, weil halt nur die beinharten Fans da waren?

Tom Shear: Wieviele Titel hast Du denn an diesem Abend erwartet? Wir haben 80 Minuten gespielt. Ich denke, das ist für einen Liveauftritt eine angemessene Länge. Es waren nur noch zwei andere Songs, die wir hätten spielen können. Nur befürchteten wir, dass diese technischen Probleme die Leute ärgern könnten. Ich denke, die meisten Bands würden wohl das Konzert beenden, wenn das Kabel der Bassanlage explodiert ist. Wir haben aber noch eine ganze Weile weiter gemacht, weil es uns eine ganze Menge bedeutet hat, dass genau diese Leute da waren.

re-flexion: Zu etwas Positiverem: "Ground", die zweite Singleauskoppelung aus "Storm", hat wie schon "Let the wind erase me" zwei Bonustitel. Im Gegensatz zu "Disappoint" und "Document" davor, wo nur eine ganze Menge Remixe auf den Maxis waren. Warum das damals und warum jetzt Zusatztitel? Und warum haben die auf "Storm" keinen Platz gefunden?

re-flexion: Es ist nicht so, dass die nicht gut genug gewesen wären für "Storm". Ich denke, die Vermutung, B-Side-Tracks müssen immer Mist sein, ist völlig absurd. Ich habe mir bei diesen Titeln die selbe Mühe gemacht wie bei den Songs auf dem Album. Da sollen ja Lieder sein, bei denen der Fan seinen Spaß hat. Und nicht nur Füllmaterial für die CD.
Remixe in dieser Anzahl gab es diesmal nicht, weil sich ein paar Leute darüber beschwert haben, es wären die letzten Male einfach zu viele gewesen. Eigentlich blöde, wenn sich darüber jemand beschwert. Aber so dachte ich halt, ich probiere mal was anderes aus und präsentiere ein paar verschiedene Versionen der Songs, die ich nochmals aufgenomen habe, anstelle sie zu remixen. In der Hoffnung, dass die Leute diese Maxis vom vom Beginn bis zum Ende hören wollen.

re-flexion: Gibt es einen Titel auf "Storm", den Du mehr magst als die anderen Titel?

Tom Shear: Ich bin mit allen glücklich. Es ist so, als wenn ich der Vater wäre und die Songs wären meine Kinder. Ich bin auf alle stolz.

re-flexion: Gibt es einen Song aus der Vergangenheit, den Du mehr magst als andere? Oder den Du vielleicht gar nicht mehr magst? Warum gab´s auf der Tour zuletzt von der "Contempt"-CD keinen Titel zu hören?

Tom Shear: Weil die meisten der "Contempt"-Songs zwei bis drei Jahre vor der Veröffentlichung geschrieben wurden und wir sie in der Zwischenzeit immer wieder live gespielt haben. Da war einfach mal eine längere Pause nötig. Und ganz offen: Die meisten Zuhörer sind auch für das Material aus der "Contempt"-Ära nicht mehr ganz so empfänglich.

re-flexion: Was ganz anderes: Singst Du gerne live? Ich meine, bringst Du Deine Songs gerne auf die Bühne? Ist das bei Dir mit dem Singen, mit der Stimme vielleicht ein Problem, das ausgezeichnete Assemblage-23-Material von der CD auf die Bühne zu bringen?

Tom Shear: Ich ziehe die Arbeiten im Studio den Liveauftritten vor. Beides macht aber Spaß. Klar kann die Stimme zeitweilig problematisch sein. Vor allem dann, wenn Du zwei Wochen durchgehend jeden Abend eine Show hast. Bei so einem Fahrplan leidet die Stimme, ganz logisch. Ich denke aber auch nicht, dass ein Liveauftritt eine perfekte Erholung nach einer CD sein soll.

re-flexion: Hast Du schon mal darüber nachgedacht, Songs zu schreiben für eine Band, die vielleicht leichter in die Charts kommen könnte? Tom Shear als eine Art Manager einer Puppenshow mit hübschen, jungen Schauspielern, mit himmlischen Stimmen und Musik dann für die Massen?

Tom Shear: Nö. Ich bin gar nicht daran interessiert, an die Spitze zu klettern. Ich will Spaß haben und die Musik machen, die ich mag.

re-flexion: Aber beispielsweise Dave Gahan´s Stimme und das Produkt Depeche Mode hinter Deinen Songs - wäre das nicht eine perfekte Kombination für garantierten Erfolg?

Tom Shear: Nochmal: Erfolg ist für mich nicht bedeutend. Ich halte es für unglücklich, wenn Leute Musik nur zum Geldgrabschen machen und für nichts sonst.

re-flexion: Was sind nach der Tour Deine nächsten Pläne? Eine dritte Auskopelung aus "Storm", Urlaub, das Schreiben neuer Songs? Gibt es Pläne, 2005 wieder eine CD heraus zu bringen? Ein Remix-Album oder eine Best-of?

Tom Shear: Jetzt geht´s nächstes Jahr im Frühling erst einmal auf Tour durch die USA. Da geht die meiste Zeit sicher drauf, daran jetzt zu arbeiten. Vielleicht reicht es aber noch für ein paar Projekte nebenbei, mal schauen.

re-flexion: Dann viel Spaß in Amerika und Danke für das Interview.

 
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