Home
Info
Lesson
JUKEBOX
Kontakt
Charts
Studio
Galerie
Feedback
Gästebuch
Magazin
Martin Gore
Rammstein
VNV Nation
Neuroticfish!
Assemblage 23
Depeche Mode
Dave Gahan
Covenant
Killing Joke
Propaganda
Links
FUTURE SCOURGE!
MT-PACT
 


Ein Interview mit Dave Gahan, dem charismatischer Frontmann von Depeche Mode, benötigt keine große Einleitung. Seine sofort identifizierbare Stimme ist auf unzähligen Superhits der 80er und 90er zu hören, unter anderem auf "Just Can't Get Enough", "People Are People" und "Personal Jesus". Andrew Phillpott wiederum arbeitet seit vielen Jahren für Depeche Mode als Programmer, Musical Director und Co-Songwriter. 2007 produzierte er gemeinsam mit Gahan am neuen Album „Hourglass“. Native Instruments sprach mit den beiden über ihre Arbeitweise und die Rolle des MASSIVE Synthesizers, der den Sound des neuen Albums prägt.

Du hast gerade das Album „Hourglass“ veröffentlicht. Wie lange hat der Produktions-Prozess gedauert und worauf hast Du Dich dabei besonders konzentriert?

DG: Wir hatten eigentlich gar nicht geplant, ein Album zu machen. Im März entschieden ich, Christian und Andrew, zusammen in mein Studio in New York zu gehen und dort Songs zu schreiben – ganz entspannt – wir hatten viel Spaß und kamen in einen richtigen kreativen Flow. Nach zwei Wochen Pause trafen wir uns dann noch mal. Bei der dritten Session war dann Daniel Miller dabei, hörte zu und sagte, dass wir ja anscheinend ein Album machen würden! Dann haben wir einfach weiter gemacht und es selber produziert. Ich glaube, die treibende Kraft war ganz einfach, dass wir machen konnten, was wir wollten und so kamen die letztendlichen Ergebnisse ohne Stress zustande.

Kannst Du etwas zu der Rollenverteilung im Studio sagen?

Davids Studio ist simpel strukturiert – Ein schön großer Kontroll-Raum, ein Schlagzeug-Raum und dann noch viel Platz zum Abhängen. Ich habe mein Equipment im Kontroll-Raum aufgebaut und Dave und Christian im anderen Zimmer. Dann haben wir eigentlich immer Ideen an den Rechnern entwickelt oder Christian hat Schlagzeug gespielt, ich Bass und wir haben einfach gejammt. Das haben wir dann immer aufgenommen, die guten Parts rausgepickt und dann damit herumgespielt. Dann begann der Strukturierungs-Prozess und Christian und Dave probierten Text-Ideen, Arrangements und Tonarten aus. Diese gaben sie dann an mich weiter und ich fing dann mit der Instrumentierung und den Sounds an. – Jeder hat zu mir gesagt „Ich höre ziemlich viel Absynth in den Tracks“ oder „Du musst ja echt viel mit Reaktor gearbeitet haben!“ – aber die Wahrheit ist, dass fast alle Klänge auf dem Album mit Massive gemacht wurden – alle von Grund auf neu erstellt... und natürlich mit einer ganzen Menge Plugins! Wir haben dann Ideen von einem Raum zum anderen und zurück geschickt, immer hin und her. Nach acht Wochen hatten wir dann das ganze Ding geschrieben und waren bereit zum Mixen - Tony Hoffer (Beck, Air etc) kam nach New York und mixte für uns, während wir noch an den letzten Resten der Aufnahmen saßen...

Wie näherst Du Dich einem Song? Hast Du vor der Produktion schon Skizzen angefertigt?

DG: Das sah jedes Mal anders aus, weil wir immer während den Aufnahmen die Songs geschrieben haben. Manchmal habe ich mich mit Christian ans Keyboard gesetzt und wir haben mit Akkorden um uns geschmissen oder Andrew kam rein und sagte “hört Euch das mal an” und hat uns dann etwas vorgepielt, an dem er gerade gearbeitet hat. Manchmal haben die Jungs auch einfach gejammt – sei es mit Bass und Drums, Keyboards und Drums oder Vodcoder und Bass – und so haben sich wahre “Wunder” ereignet. Das haben wir alles aufgenommen, zerschnippselt und angefangen, damit einen Song zu kreieren...

Wie hat sich Deiner Meinung nach der Prozess einer Album-Produktion über die Jahre verändert?

DG: Heutzutage kann man viele Sachen viel schneller erledigen. Man muss nicht mehr Tage lang am Syclavier sitzen bis man alle Samples zusammen hat. Die Technologie ist viel benutzerfreundlicher geworden und ich kann viel mehr involviert sein, als ich das noch vor Jahren hätte sein können. Das hält den Prozess in Schwung und die Kreativität kann ungehindert fließen...

Wie viele Computer hattet Ihr im Studio und für was wurden sie benutzt?

AP: Im Kontroll-Raum hatten wir als Hauptrechner zwei G5s, auf einem lief Protools als Bandmaschine und dann noch meinen Logic-Computer, auf dem ich das Sound-Design mache, sich die Synths befinden und der als MIDI-Master dient. Christian und Dave hatten ein einfaches G5-Setup im anderen Raum, auf dem Logic lief. Im Live-Raum hatten wir noch ein kleineres Protools-Setup um die Vocals zusammenzustellen – unser Freund Kap10Kurt half uns gegen Ende damit, da wir für die Songs sehr viele verschiedene Gesangsmelodien hatten und es schön war, dafür die Unterstützung eines Außenstehenden zu bekommen...

Wie hast Du Native Instruments entdeckt?

AP: Das war eine sehr frühe Reaktor-Version. Jemand hatte Martin (Gore) davon erzählt und wir haben sie ausprobiert. Ich habe mich sofort verliebt und es seitdem nicht bereut! Ihr habt dann dauernd qualitativ hochwertige Tools rausgebracht und plötzlich mussten wir nicht mehr all diese riesigen Synths durch die Gegend schleppen!

Welche Native Instruments habt Ihr für die Produktion von “Hourglass” eingesetzt?


AP: Wie schon erwähnt, war das hauptsächlich Massive – das hatte einen ganz einfachen Grund: Ich wollte mit alten Gewohnheiten brechen. Ich liebe alle NI-Sachen, aber ich habe mich entschieden, mich auf diesen einen Synth zu beschränken, den ich bis dahin noch nicht wirklich erforscht hatte. Ich wollte sehen, was ich aus der Software rausholen kann – und dabei habe ich nur an der Oberfläche gekratzt.

Wie werden sich die Live-Versionen von den Studio-Produktionen unterscheiden?

DG: Aus unterschiedlichen Gründen werden wir mit diesem Album nicht auf Tour gehen, aber wir haben vor einigen Wochen ein paar Radio-Shows, TV-Auftritte und Gigs in New York gemacht – und das hat super hingehauen. Wir hatten Martyn Lenoble am Bass, Christian an den Drums, Andrew and den Keyboards und dem Sequencer, Kap10Kurt an seinem verrückten Umschnall-SH101 und Graham Finn an der Gitarre. Das fühlte sich sehr organisch an und trotzdem ging nicht das elektronische Feeling des Albums verloren...

AP: Die grundlegenden Sequenzen liefen in Ableton Live auf einem Laptop. Auf einem anderen Laptop hatte ich Logic geladen und dort konnte ich alle wichtigen Sounds des Albums mit den Plugins öffnen und zu Live synchronisieren. Daneben lief immer noch viel Kompression und Gating ab, was für die Sounds auch noch sehr wichtig war... K10K spielte auf seinem modifizierten SH101 viele der treibenden Lead-Sounds. Das hat alles sehr gut funktioniert.

Habt Ihr schon Euer perfektes Setup für das Studio und die Bühne gefunden? Was fehlt Euch zu Eurer idealen musikalischen Umgebung?



DG: Ja, mein Mikrofon!

AP: Mir ist am wichtigsten, dass es einfach ist – dann ist es unwahrscheinlicher, dass sich ein großes Unglück ereignet. Das ändert sich aber permanent, was ich auch gut finde, da man sonst ganz leicht in einem Kreativ-Ablauf hängen bleibt, der sich immer wiederholt. Deswegen ist Veränderung immer gut. Mir fällt aber schon eine Sache ein, die auf jeden Fall in meiner musikalischen Umgebung fehlt: Ganz einfach Zeit!

 
Top